Christine Holst Tierpsychologin (ATN)
Hundetraining und Verhaltensberatung

Mit Skippy im Schnee

Fortsetzung: Das Leben mit Skippy unserem Dreibeinchen

SkippyNun lebt Skippy fast 2 Jahre bei uns. Und gerade die Ereignisse der letzten Wochen über die Berichte von der Massentötung in der Ukraine und den unglaublichen Ereignissen in Rumänien  machen uns froh, dass wenigstens sein Schicksal ein gutes Ende nahm! So paradox es klingt, ohne seine schweren Verletzungen wäre er wohl der Tötungsstation in Brasov/ Rumänien nicht entkommen. Und als ich im letzten Jahr erstmalig die Bilder dieses sogenannten staatlichen Tierheims gesehen habe, wurde mir übel. Insbesondere mit dem Wissen, dass Skippy dort schwer verletzt, also unbehandelt in einem Käfig eingesperrt lag, um zu sterben. Selbst heute noch kommen mir bei dem Gedanken die Tränen. Ich kann es einfach nicht fassen, wir grausam Menschen sein können!

Tja, und unser Schnösel weiß dies wirklich zu schätzen. Ich sage ja immer, er ist ein Hund vom anderen Stern :-) Noch heute bedankt er sich jedes Mal für sein Futter, genießt jede Kuscheleinheit und freut sich wie Bolle, wenn es zum Tierarzt geht. Dort sind wir alle 2 Wochen zum Spritzen. Wenn ich sage “Jetzt fahren wir zum Doc um das Dopi abzuholen“ kann er es kaum erwarteten. Er zieht mich in die Praxis, lässt sich in den Rücken und alle Gelenke spritzen (und glauben Sie mir; dies ist extrem schmerzhaft) ohne mit der Wimper zu zucken und freut sich anschließend auf seine Kekse vom Doc. Man könnte auch sagen, er besteht auf die Belohnung. Dabei gab es in der Zeit, seit dem er bei uns lebt, viele unangenehme Gründe für den Tierarztbesuch. Skippy wurde letztes Jahr im Sommer so mal ganz kurz nebenbei gebissen (selbstredend hat sich der andere Hundebesitzer sofort aus dem Staub gemacht und wart nie wieder gesehen). Die Wunde war tief und ca. 15 cm lang. Der Heilungsprozess dauerte fast 5 Wochen. Wochen im Hochsommer ohne Badefreuden und mit einem T-Shirt als ständigem Begleiter. Dieses Jahr hatte er einen Hot Spot im Gesicht. Die Ursache kennen wir bis heute nicht. Aber auch das hat er tapfer durchgestanden. Trotz eitriger, heißer und schmerzender Wunde, juckenden Pusteln am ganzen Kopf und Nacken. Über eine Woche habe ich ihn, mit Handschuhen geschützt, mit Retterspitzlösung – zur Entfernung der Eiterkrusten, zum Kühlen und zur Unterstützung des Heilungsprozesses – und anschließender Kortisonlösung täglich 2 Stunden „traktiert. Jede Berührung hat ihm sicher sehr weh getan. Dennoch lag er in meinen Armen und hat sich behandeln lassen.

Skippy im SchneeNoch schlimmer waren die ersten Monate. Waren wir anfänglich noch stolz auf seine Kondition, wurden wir bald eines Besseren belehrt. Immer wieder hatte er Probleme im Lendenwirbelbereich. Dann war Skippy nur noch auf 2 Beinen unterwegs. Das heißt, er wollte um jeden Preis, aber es ging gar nichts mehr. Ich weiß noch, dass ich bei ersten Mal, als ich ihn so sah bitterlich geweint habe. Er war doch gerade erst ein gutes Jahr alt. Das konnte es doch noch nicht gewesen sein. Dieter Pfaff konnte uns leider nicht helfen. Zumindest war die Hoffnung auf eine Orthese nicht gegeben. Helfen hätte nur ein Rollwagen können. Aber den heben wir uns für später auf.

Lange Rede kurzer Sinn; mit viel Physio und Medizin haben wir seine Muskulatur inzwischen so aufgebaut und gestärkt, dass er wieder fit ist wie ein Turnschuh. Manchmal ist er so übermütig, dass seine Pausen etwas größer ausfallen müssen. Aber dafür hat er seinen Übermut dann in vollen Zügen genossen :-)

Toi, toi, toi, gesundheitlich ist aktuell soweit alles im grünen Bereich. Also abgesehen von der Dauerbehandlung. Auch mit der Erziehung klappt es langsam. Nicht immer, aber immer öfter. Meinen ersten Bericht schrieb ich ja in den ersten 3 Wochen seiner Ankunft. Kaum war er hier zu Hause richtig angekommen, zeigte Skippy sein „wahres“ Gesicht.

Skippy am WasserZu Hause benahm er sich als absoluter Wachhund. Überhaupt musste er ja alles erst lernen. Das haben wir sukzessive gut hinbekommen. Heute werden Besucher freundlich begrüßt und wenn er dürfte eher abgeschleckt. Draußen war er die ersten Wochen null ansprechbar. All seine Sinne galten seiner jagdlichen Leidenschaft. Egal welch Register ich gezogen habe, Skippy blieb unansprechbar. Im Gegenteil - bald fand er Trecker, Radfahrer, Pferde, Jogger, also alles was sich bewegte Jagens wert. Die vielen Ratschläge meiner Kollegen waren auch echt klasse! Vor allem vergaßen sie sein Handicap und die 2 Mädels an seiner Seite. Ein Rudel tickt einfach anders. Und ganz abgesehen von seiner Historie und wie bereits erwähnt; diese Hunde sind vom anderen Stern. Jedenfalls merkte ich schnell, dass ich der Herausforderung meines Lebens begegnet bin. Zum Leidwesen meiner beiden Mädels, Agila und Brenda, gingen wir nun immer die gleiche „Gassi“ Runde. Und so ganz langsam fing Skippy an mir auch draußen zu vertrauen. Einen Freudenschrei stieß ich aus, als er zum ersten Mal markiert hat. Endlich war er im Rudel angekommen!!! Wir hatten seine Aufmerksamkeit und eine Basis, um mit dem Training zu beginnen.

Seit dem geht es ständig bergauf. Allerdings, während ich mit Agila und Brenda überall laufen kann, geht das mit unserem Schnösel noch nicht. Jedenfalls nicht im Rudel. Denn dann meint unsere Brenda, die Border Collie Hündin gerne mal „juhu, Skippy schau mal, lass uns Gas geben“ und täuscht an, irgendetwas Interessantes bemerkt zu haben. Er fällt natürlich prompt drauf rein. Das heißt, unsere gemeinsamen Runden sind immer noch begrenzt. Highlights sind dann die Strandspaziergänge. Skippy ist so Wasser verrückt, dass er auch in der Eiseskälte seine Bäder liebt. Toppen können dies nur noch die Schlammbäder. Meine Mitmenschen schauen mich dann nur noch mitleidig an und ich könnte in diesen Momenten verzweifeln. Skippy suhlt sich im Schlamm wie ein Schweinchen, taucht mit dem Kopf unter und sieht am Ende aus wie eine Moorschlammpackung. Und die Tatsache, dass ich meist zwei Stunden benötige, um ihn zu säubern, findet er klasse. Für ihn Wellness pur!

Die RundeKurzum, er bereichert unser Leben ungemein. Auch wenn ohne ihn „Gassi mäßig“ alles viel einfacher war, möchten wir ihn nicht mehr missen. Klar gibt es Tage, an denen ich fluche wie ein Rohrspatz. Denn Skippy ist und bleibt ein frühkastrierter Kindskopf. Er lernt zwar irre viel durch Beobachtung, aber wir müssen jeden Tag aufs Neue alles erarbeiten. Selbst in einem großen, eingezäunten Freilauf muss ich immer ein Auge auf ihn haben. Zu groß ist die Versuchung seinen Kumpels nach zu eifern und die passierenden Pferde hinterm Zaun zu jagen. Anderseits ist es für uns ein tolles Training. Und ich bin mega stolz auf ihn, wenn er sich abrufen lässt während seine Kumpels weiter jagen. Immerhin haben wir eine Quote von über 90%! Überhaupt ist dieser Freilauf für mich ein tolles Studiengebiet. Dort die Hunde in Aktion zu beobachten ist immer wieder faszinierend. Skippy hat mir dort seine Therapiefähigkeiten näher gebracht. Er weiß Hunde genau einzuschätzen, die Menschen überings auch, und hat es sich zu seiner Aufgabe gemacht, dort alle Welpen zu erziehen. Unglaublich, wie er das vollbringt und keine Ahnung, wo er das her hat. Wie gesagt, erwachsen wird er ja nie werden. Auch im Umgang mit Kindern ist er super. Bei einem Schulprojekt hatte ich an 3 Terminen jeweils einen Hund dabei. Die Kinder im Alter zwischen 6 und 8 fanden Agila und Brenda zwar ganz o.k. – von Skippy waren sie begeistert. Und die 3 Kinder, die wirklich Angst hatten, trauten sich ihn zu streicheln und ihm Leckerlis zu geben. Wenn man sein Krokodilgebiss sieht, ist das schon erstaunlich. Aber selbst die Kinder im Baggi strecken ihre Händchen nach ihm aus und er beschnuppert sie ganz sanft. Und mir geht jedes Mal das Herz auf.

Es gäbe sicher noch viel zu erzählen, aber für heute lassen wir es gut sein. Schauen wir mal, wie sich unser Leben weiter gestaltet. So sagen wir tschüss und hoffen, dass noch mehr „Hunde vom anderen Stern“ eine Chance bekommen.

Ihre Christine Holst, Skippy und seine Mädels Agila und Brenda

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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