Christine Holst Tierpsychologin (ATN)
Hundetraining und Verhaltensberatung

Mit Skippy im Schnee

Lassie gibt es nur im Fernsehen. Wenn Kinder Hunde erziehen wollen – aus unserer Sicht nicht wirklich empfehlenswert!

Ein Fallbeispiel:

Die Besitzer von Leo, einem 2 jährigen Labrador Rüden, waren in ihrer Entscheidung fast schon soweit ihren Hund weg zu geben. Warum? Leo sei aggressiv und sie hätten Angst vor ihm! Sie, das sind die Eltern mit ihrem Sohn im Alter von 8 und der Tochter mit 13 Jahren. Freunde der Familie - erfahrene Hundebesitzer - hatten das Szenario wohl schon länger beobachtet und immer wieder geraten, sich doch professionelle Hilfe zu holen. Leider ließ die Familie viele Wochen verstreichen; eben bis die Not so groß wurde, dass sie um einen Besuch baten.

Der erste Eindruck: Leo gebärdete sich mit seinen 2 Jahren noch als Halbstarker und fand es klasse, jegliche Grenzen zu testen. Die Besitzer hatten es versäumt, seine Grunderziehung nebst Grundgehorsam zu festigen, also hatte er diesbezüglich leichtes Spiel. Beide Kinder kannten Leo ja bereits als Welpen und somit als entsprechenden Spielkumpan. Ihr Verständnis aus Kindersicht war; „Kind“ darf den Hund erziehen.

So wurden Leos Ruhezeiten missachtet und wann immer die Kids Lust hatten, mit ihm zu spielen oder ihn einfach zu streicheln, gingen sie zu seinem Körbchen beugten sich über ihn oder versuchten ihn raus zu zerren. Besonders gerne haben sie versucht, Leo zu „kommandieren“. Eben wie Kids das gerne tun: sich vor dem Hund aufbauen, den kleinen Zeigefinger erhebend, ihn in die Augen schauen und sagen – manchmal auch kreischen – hier!!! Komm sofort hier her!!! Oder mit ähnlicher Körperhaltung versuchen, den Knochen weg zu nehmen.

Anfangs hatte Leo als Reaktion darauf den Kopf leicht abgewandt. Auf seine Art relativ freundlich mitgeteilt lasst mich bitte in Ruhe. Nur dies haben weder die Eltern, noch die Kinder verstanden. So folgte nach und nach, erst ein leichtes Lefzen hochziehen, dann ein sich steigerndes Knurren und zu letzt das Drohschnappen. In ihrer Angst um die Kinder und aus ihrer Unwissenheit heraus, wurden nun aber auch die Eltern immer unsicherer. Dies nutzte Leo sofort aus und eroberte sich zunehmend Ressource um Ressource. Als Rückzugsort nahm er den Hobbyraum in Beschlag, Futter oder Spielzeug wurde knurrend verteidigt, ein Nein oder jegliche Art von Grenze wurde nicht beachtet. Aber und dies ist kaum zu glauben, die Kinder durften Leo auch weiterhin mit erhobenem Zeigefinger reglementieren.

Nur woher hätten sie es besser wissen sollen? Mega erstaunt waren die beiden Kinder, als sie erfuhren, dass sie für Leo – und dies galt insbesondere für den 8 jährigen Sohnemann – so eine Art Wurfgeschwister sind. Mit denen spielt und balgt man; das „Sagen“ hat jedoch nur der Chef. Sprich jemand in der Familienstruktur, der im Rang hoch angesehen wird und entsprechend souverän und erfahren agiert. Normaler weise hätten diese Position bei entsprechender Erziehungsarbeit die Eltern eingenommen. Durch ihre wachsende Unsicherheit jedoch hat Leo diesen Part übernommen, denn seiner Ansicht nach muss es nun einmal einen Chef geben. Mit seinen 2 Jahren kann man ihn mental mit einem jungen erwachsenen Menschen vergleichen.

Generell lässt sich sagen, dass Kinder bis zum Alter von 13 bis 14 (je nach Reifegrad kann es natürlich Ausnahmen geben) für die Hunde aus Hundesicht noch nicht erziehungsberechtigt sind. Haben die Eltern allerdings eine gute erzieherische Vorarbeit geleistet, ist es empfehlenswert Kinder ab ca. 7 oder 8 Jahren kontrolliert in die Erziehungsübungen einzubeziehen. Toll sind hier spezielle Kind-Hund-Kurse. So lernen Kinder gezielt alles Wissenswerte über den Hund – eben auch über das Ausdrucksverhalten.

Jetzt wissen die beiden Kinder nicht nur, dass sie für Leo so etwas wie gleichaltrige Geschwister sind (von denen lässt Kind sich ja auch nichts sagen), sondern auch, dass ein Hund seinen Ruheplatz braucht, kein Spielzeug ist, sondern individuelle Bedürfnisse hat, Futter für ihn eine wichtige Ressource sein kann, wann er freundlich gesonnen ist oder aber sagt bitte nicht, wie bedrohlich ihre Körperhaltung und das Starren in seine Augen war u. v. m.

Die Eltern haben ähnlich gelernt. Vor allem aber haben sie sich durch konsequentes Training ihre „Chef“ Position zurück erobert. Ihre beiden Kinder werden in die Übungen mit einbezogen. Jegliche Aktionen – auch das Spielen - findet jetzt unter Anleitung und kontrolliert statt. Ebenso die Spaziergänge. Denn einerseits können Kinder brenzlige Situationen meist nicht richtig einschätzen und anderseits haben sie alleine ob des Kräfteverhältnisses wenig Chancen.

Fazit: Kinder und Hunde können harmonisch zusammenleben und tolle Spielkameraden sein. Vorausgesetzt Kinder und ihre Eltern wissen, was im Umgang miteinander zu beachten ist. Die Familie sollte „hündisch“ lernen und die Kinder erst mit der alleinigen Hunde-Erziehung betraut werden, wenn sie die geistige Reife haben und wirklich Verantwortung übernehmen können.

Christine Holst

  

  

  

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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