Christine Holst Tierpsychologin (ATN)
Hundetraining und Verhaltensberatung

Mit Skippy im Schnee

Handicap Hunde – Unwürdiges Leben, qualvolles Schicksal – oder dennoch glücklich und voller Lebensfreude?

Ein Fallbeispiel:

Silaz ein Altdeutscher Hütehund, beim Schäfer lebend und ausgebildet, wurde im Alter von knapp 2 Jahren langsam blind. Fazit: im Zwinger abgestellt und somit ausrangiert. Glücklicher weise kam er durch eine engagierte Tierärztin zur Vermittlung in sein neues zu Hause. Zunächst war Silaz ein ganz trauriger Anblick: traumatisiert, krank, abgemagert, das Leben im Haus und mit Menschen nicht gewohnt, ebenso nicht den Umgang mit Artgenossen u. v. m. Für die Besitzerin war es der erste Handicap Hund und ihr Mitleid war groß. Das Unwohlsein und die Unsicherheit der neuen Besitzerin von Silaz ist verständlich. Mal ehrlich – begegnen wir im Alltag Menschen mit einer sichtbaren Behinderung, erhalten sie durch unsere Blicke unweigerlich mehr Aufmerksamkeit, als oftmals von ihnen selbst gewollt. Ein Gefühl von Mitleid überkommt uns. Gedanken wie „oh Gott, die Armen“ schießen uns durch den Kopf. Oft verlegen oder unsicher wenden wir uns ab. Und dennoch haben sich die Zeiten – Gott sei Dank! – geändert. Wurden früher Menschen mit einer körperlichen Behinderung tabuisiert, so sind sie heute, in den meisten Fällen, voll integriert. Wir zollen ihnen Respekt, bewundern sie dafür, wie sie ihr Leben meistern, bejubeln ihre sportlichen Leistungen und vergessen in diesen Momenten die Behinderung; das Handicap. Genau dies wollen und wünschen sich viele behinderte Menschen; einen ganz „normalen“ Umgang und soweit wie möglich, ein ganz normales Leben führen. Aber wie verhält es sich nun mit Handicap Hunden? Entsorgen, wegschmeißen wie Müll? Etwa sogar des Lebens für unwürdig erachteten? Was macht man mit dem Wunsch-Welpen, so klein und niedlich, nur leider bereits blind oder taub? Umtauschen oder im schlimmsten Fall über die rainbow bridge schicken? Und das alles aus Mitleid und der Entschuldigung der „guten Tat“, kombiniert mit dem Gedanken: „Das arme Tier ist jeglicher Lebensfreude beraubt – und es müsste sich über die Gebühr gekümmert werden? Sicher nicht, denn da gibt es wahrlich anspruchsvollere und durchaus gangbare Wege. Gerade, wenn man bedenkt, dass unsere Hunde uns gegenüber deutlich im Vorteil sind: sie bewerten ihr Handicap nicht und können es meist durch andere Sinnesorgane kompensieren. Fehlt dem Menschen ein Bein, benötigt er wahrscheinlich eine Prothese; der Hund ist binnen kürzester Zeit wieder fast genauso flink unterwegs. Selbst Hunderennen sind möglich, wie Lucky, der Podenco Mischling uns gezeigt hat (gesendet bei Servicezeit, Tiere suchen ein zu Hause am 10.08.08). Aber auch in Fällen, wo 2 Beine fehlten, hat ein Rolli noch ein glückliches Leben beschert. Sicher gibt es in der Erziehung und im Umgang mit beispielsweise blinden oder tauben Hunden einige Besonderheiten. Bei einem blinden Hund sind primär akustische Signale (Hörzeichen) in der Erziehung und bei der Hilfestellung zur Überwindung/ Vermeidung von Hindernissen einzusetzen. Allerdings was die Hilfestellung anbelangt, muss erfahrungsgemäß der Mensch lernen sich zurück zu halten und seinem Hund zu vertrauen. Ein blinder Hund lernt sehr schnell seine Nase, sein Gehör und seinen Tastsinn verstärkt zu gebrauchen. Am Ende können wir Menschen oft den blinden oder tauben Hund inmitten einer Meute nicht erkennen. Ebenso entdecken wir den Drei-Beiner erst auf den zweiten Blick. Ähnlich wird der taube Hund primär non-verbal (Sichtzeichen) geführt. Bei den Sicht – und Hörzeichen sind Ihrer Phantasie keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass Sie beim Einüben authentisch, geduldig und konsequent sind. Wie bei der „üblichen Erziehung“ auch. Hilfestellung geben Hundetrainer, die sich hier spezialisiert haben. Empfehlenswert ist die DVD von Iris Schneider „Alfonsos Welt“ oder auch das Buch von MichaEla Joachim „Blinder Hund – na und?!“ Natürlich brauchen Handicap Hunde zur Auslastung sowie zur Stärkung des Selbstvertrauens eine ebenso sinnvolle Beschäftigung. Das geht über Suchspiele, Fährtenarbeit, apportieren, bis hin zu Agility, Mobility oder Hunderennen. Alles ist möglich – vorausgesetzt Sie stellen Ihr Mitleid hinten an, vertrauen Ihrem Hund und setzen Ihre Energie in die etwas andere Erziehung und gemeinsame Beschäftigung. Einer glücklichen Mensch-Hund-Beziehung steht dann nichts mehr im Weg. Um unsere Geschichte von Silaz zu beenden - ihr Mitleid musste sie in unserer Zusammenarbeit als aller erstes eliminieren. Neben einer konsequenten Erziehung mit viel positiver Bestärkung hat sie insbesondere gelernt, ihrem Hund etwas zu zutrauen. Mittels Beschäftigung (zunächst kleine Suchspiele) haben wir einerseits das Selbstvertrauen von Silaz aufgebaut und anderseits die Bindung intensiviert. Mal abgesehen davon, dass er sehr schnell alleine bleiben konnte, durfte er bereits nach wenigen Wochen ohne Leine toben, mit Artgenossen spielen (auch mal streiten) und kam auf Rückruf freudig zurück. Welch Lebensfreude und welch Aussichten! Ein ebenso großes Herz und Happyend für Zwei- und Vierbeiner wünsche ich auch Ihnen.

Christine Holst

  

  

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

canis major
Hunde-Seminare
in Nord-
deutschland

Veranstaltungen rund um den Hund 2017:

„Vom Behaviorismus zum Problemlöseverhalten bei Wild- und Haushunden“ mit Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen am 30. September 2017
Lesen Sie mehr…

Veranstaltungen rund um den Hund 2018:

Abendvortrag mit Dr. Ádám Miklósi am 16.03.2018; Thema folgt nach
Lesen Sie mehr…
2 Tages-Seminar mit Dr. Ádám Miklósi am 17./18.03.2018; „Über Hunde-Persönlichkeiten, wie sie Probleme lösen und über ihre soziale Umwelt denken“
Lesen Sie mehr…
1 Tages-Seminar mit Dorit Feddersen-Petersen am 21.04.2018: „Homologien und Analogien im Sozialverhalten zwischen Hund und Mensch.“
Lesen Sie mehr…
2 Tages-Seminar mit Christine Holst am 9./10.06.2018: Warum tut der Hund, was er tut? Mensch- und Hunde-Persönlichkeiten ganzheitlich betrachtet“
Lesen Sie mehr…
Abendvortrag mit Udo Gansloßer am 29.06.2018: „natürlich aggressiv – Fakten und Vorurteile“
Lesen Sie mehr…
2 Tages-Seminar mit Udo Gansloßer am 30.6/1.07.2018: „Das Gefühlsleben unserer Hunde – Wissenschaft versus Aberglaube.“
Lesen Sie mehr…
2 Tages-Workshop mit Dorit Feddersen-Petersen und Christine Holst am 1./2.09.2018: „Ethogramm und Soziogramm“
Lesen Sie mehr…
2 Tages-Theorie und Praxis Seminar mit Sabine Padberg am 22./23.09.2018; Thema folgt
Lesen Sie mehr…

Referenten canis major Hunde-Seminare


Aktuell:


Weggefährten – Das Hunde-Buch für den Tierschutz
Lesen Sie mehr…

Interview: Warum tut der Hund, was er tut, Frau Holst?
Lesen Sie mehr…

Impressionen vom Seminar mit Sabine Padberg und Jörg Horstmann
„Mensch und Hund auf einer Welle“
Lesen Sie mehr…

Buchempfehlung:
„Warum tut der Hund was er tut?

Lesen Sie mehr…

Nachlese zu
WOLF & CO 2017
6th International Symposium
19.–21. Mai 2017
Lesen Sie mehr…